Michael Schwuchow

Leiter der Arbeitsgruppe Fluglärm und Umwelt
Michael Schwuchow wurde 1966 in Berlin-Kreuzberg geboren. Der gelernte Bankkaufmann war über drei Jahrzehnte im Bank- und Kreditwesen tätig, bevor er sein aktuelles Amt antrat. Er lebt seit 1997 in der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow und ist Vater von drei Kindern.
Sein privates Engagement umfasste die evangelische Jugendarbeit und die Vorstandstätigkeit in einer Kinderhospiz-Stiftung. Seit 2009 engagiert sich Michael Schwuchow aktiv im SPD-Ortsverband der Gemeinde. Bereits vor seiner Wahl zum Bürgermeister brachte er sich als sachkundiger Einwohner und Gemeindevertreter sowie im Aufsichtsrat der Medizinischen Einrichtung Gesellschaft (MEG) in die Kommunalpolitik ein.
Im Jahr 2019 wurde Michael Schwuchow zum Bürgermeister von Blankenfelde-Mahlow gewählt. Als Arbeitsgruppenleiter Fluglärm im Dialogforum Airport Berlin-Brandenburg, Vorstandsmitglied der Bundesvereinigung gegen Fluglärm und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Schutzgemeinschaft Umlandgemeinden Flughafen Schönefeld e.V. setzt er sich intensiv mit den Herausforderungen in der Flughafenregion auseinander.
Für Michael Schwuchow ist der Flughafen BER eine Realität, mit der es umzugehen gilt. Sein Ziel ist es, im Rahmen einer rücksichtsvollen Nachbarschaft tragfähige Lösungen für ein verträgliches Miteinander von Flughafenbetrieb und Lebensqualität vor Ort zu finden.
„Wir brauchen tragfähige Lösungen für die Region“
Interview mit Michael Schwuchow
Herr Schwuchow, Blankenfelde-Mahlow ist eine der am stärksten vom Flughafenbetrieb betroffenen Gemeinden in der Region. Gleichzeitig gilt Ihre Gemeinde als attraktiver Wohn- und Arbeitsort. Was macht Blankenfelde-Mahlow für die Region besonders – und welche Herausforderungen sehen Sie mit Blick auf die kommenden Jahre?
Blankenfelde-Mahlow bringt starke Standortfaktoren mit: eine hervorragende Verkehrsanbindung, die Nähe zu Berlin und ein vielfältiges Arbeitsplatzangebot. Das macht uns attraktiv – für Menschen, die hier leben, und für Unternehmen. Gleichzeitig spüren wir aber auch die Belastungen des Wachstums. Der zunehmende Verkehr bringt mehr Lärm, mehr Emissionen, mehr Konflikte. Wenn wir hier nicht gegensteuern, kann das schnell zur echten Belastung für die Bevölkerung werden.

Der Ausbau klimafreundlicher Mobilität und der Umgang mit Verkehrslärm sind klassische Querschnittsaufgaben, bei denen viele Ebenen mitreden: Kommune, Landkreis, Land – aber auch private Anbieter und Bürgerinnen und Bürger. Wie gelingt es Ihnen als Bürgermeister, diese unterschiedlichen Interessen im Sinne der Gemeinde zu moderieren?
Es braucht kluge Konzepte. Wir müssen Verkehr besser steuern, den Busverkehr ausbauen und den Radverkehr stärken. Aber das geht nicht im Alleingang. Die Abstimmung mit dem Landkreis, den Verkehrsbetrieben und der Gemeindevertretung ist zentral. Gerade beim Thema Finanzierung müssen wir oft sehr genau ausloten, was machbar ist – und wo Kompromisse nötig sind. Aber wenn man beständig im Gespräch bleibt, lassen sich auch komplexe Themen nach und nach bewegen.
Sie sind seit vielen Jahren kommunalpolitisch aktiv, nun auch als neuer Leiter der Arbeitsgruppe Fluglärm im Dialogforum. Warum haben Sie sich entschieden, diese zusätzliche Aufgabe zu übernehmen – und welchen Mehrwert sehen Sie persönlich in der regionalen Zusammenarbeit im Dialogforum?
Unsere Gemeinde ist besonders stark vom Fluglärm betroffen. Da ist es nur folgerichtig, dass ich als Bürgermeister Verantwortung übernehme. In der AG Fluglärm kann ich mich direkt einbringen, das Thema politisch mitgestalten. Das Dialogforum ist dafür eine wichtige Plattform – nicht nur für den Austausch, sondern auch, um mit einer gemeinsamen Stimme gegenüber Land und Bund aufzutreten. Wir haben dort bereits Beschlüsse gefasst, die später auf Landesebene aufgenommen wurden. Das zeigt: Es lohnt sich, dranzubleiben.
Was sind aus Ihrer Sicht aktuell die dringendsten Aufgaben beim Schutz vor Fluglärm? Gibt es konkrete Forderungen, die Sie auch in Ihrer neuen Rolle als AG-Leiter besonders in den Fokus rücken möchten?
Ganz oben auf der Liste steht für mich ein echtes Nachtflugverbot – von 22 bis 6 Uhr. Darüber hinaus fordere ich die Vermeidung sogenannter Intersection Take-offs und den konsequenten Einsatz lärmarmer Flugverfahren. Diese Punkte könnten schon heute spürbare Verbesserungen bringen, wenn man sie entschlossen umsetzen würde.

Ein anderes zentrales Thema in der Flughafenregion ist die Mobilität. Welche Projekte verfolgen Sie in Blankenfelde-Mahlow, um Verkehr intelligenter und nachhaltiger zu organisieren – auch mit Blick auf die gesamte Region?
Ich arbeite seit einiger Zeit an der Idee eines Turmbahnhofs am Berliner Außenring. Er würde unsere S-Bahn mit dem Regionalverkehr verknüpfen und bessere Verbindungen nach Osten und Westen schaffen – etwa nach Potsdam oder Königs Wusterhausen. Ein weiterer Halt im Gewerbegebiet am Eschenweg wäre ebenfalls ein großer Gewinn. Viele Pendlerinnen und Pendler könnten direkt dort aussteigen, der innerörtliche Busverkehr würde entlastet. Parallel versuche ich, trotz der finanziellen Kürzungen auf Landkreisebene unser Busangebot zu erhalten und, wo möglich, auszubauen.
Neben dem ÖPNV spielt der Radverkehr eine immer wichtigere Rolle in der kommunalen Verkehrsplanung. Welche Chancen und auch Hindernisse sehen Sie beim Ausbau des Radwegenetzes – sowohl innerhalb Ihrer Gemeinde als auch im Verbund mit Nachbarkommunen?
Die Verbindung nach Rangsdorf ist inzwischen gut erschlossen, auch die Strecke Richtung Schönefeld steht kurz vor der Eröffnung. Für den Süden – also Richtung Ludwigsfelde und Großbeeren – hatten wir eine Förderzusage aus dem Regionalen Entwicklungsfonds. Leider fand die dazu nötige interkommunale Vereinbarung in unserer Gemeindevertretung keine Mehrheit. Man war dort der Meinung, dass es ausreichend Verbindungen gebe und der Landkreis ohnehin ein Radwegekonzept erstellt habe. Nun konzentrieren wir uns auf die Umsetzung dieses Konzepts – und auf innerörtliche Verbesserungen, etwa an Kreisverkehren, wo es um die Sicherheit der Radfahrer geht.
Klimaschutz und Lebensqualität stehen oft in einem Spannungsverhältnis – besonders in wachsenden Gemeinden. Wie gelingt es Ihnen, beide Ziele miteinander zu verbinden? Und welche Rolle spielt dabei die regionale Zusammenarbeit, etwa über das Klimanetzwerk oder das Dialogforum?
Ein gutes Beispiel ist das Kommunale Klimanetzwerk Berlin-Brandenburg, das wir gemeinsam im Dialogforum aufgebaut haben. Dort tauschen sich unsere Klimaschutzmanager aus, bündeln Wissen und entwickeln gemeinsam Projekte. Zudem haben viele Kommunen inzwischen ihre kommunalen Wärmepläne abgeschlossen. Auch hier sehe ich großes Potenzial für Kooperation – selbst wenn sie aktuell noch meist innerhalb der Gemeinden gedacht wird. Das Dialogforum ist genau der richtige Ort, um solche Ansätze weiterzuentwickeln.

Einige Kommunen wünschen sich eine andere Struktur als die einer Kommunalen Arbeitsgemeinschaft und dadurch mehr Durchsetzungskraft des Dialogforums. Wie bewerten Sie die aktuelle Form der Zusammenarbeit – und sehen Sie Veränderungsbedarf?
Ich sehe darin keinen akuten Bedarf. Wir brauchen keine neue Struktur, sondern mehr Beharrlichkeit. Wenn das Dialogforum gemeinsam auftritt und dranbleibt, kann es viel erreichen. Wir dürfen nicht erwarten, dass ein Protokoll allein etwas verändert – aber wenn wir geschlossen auftreten, finden wir Gehör.
Sie arbeiten eng mit Kolleginnen und Kollegen aus der Region zusammen – oft in interkommunalen Projekten. Wie erleben Sie diese Zusammenarbeit ganz praktisch?
Sehr positiv. Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister arbeiten konstruktiv zusammen. Man spricht offen, ohne taktisches Geplänkel – das schätze ich sehr. Projekte wie der Radwegebau mit Schönefeld zeigen, dass echte interkommunale Zusammenarbeit funktioniert, wenn man sie will.
Was treibt Sie persönlich an in Ihrer Arbeit als Bürgermeister – und was wünschen Sie sich für Blankenfelde-Mahlow in den nächsten Jahren?
Und ganz zum Schluss: Bei all den Aufgaben und Sitzungen – wie laden Sie persönlich eigentlich Ihre Batterien wieder auf?
Ich spiele Billard – in meinem eigenen Keller. Ich habe mir vor ein paar Jahren einen Raum mit einem großen Tisch eingerichtet. Da kann ich abschalten, konzentriert spielen – manchmal allein, manchmal mit Familie oder Freunden. Es ist die perfekte Mischung aus Ruhe und Gesellschaft.

