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650 Jahre Schmöckwitz und Rangsdorf: Jubiläen in der Flughafenregion

(c) privat
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Ein Gespräch über Heimat, Zusammenhalt und Zukunft

Viele Kommunen in der Flughafenregion feiern in diesem Jahr den 650. Geburtstag, darunter Schmöckwitz und Rangsdorf. Wir haben beispielhaft mit Menschen von dort gesprochen, was das für sie bedeutet: Almuth Berger aus Schmöckwitz und Jürgen Muschinsky aus Rangsdorf.

650 Jahre Geschichte sind nicht nur Anlass zum Feiern, sondern auch ein Auftrag: gemeinsam gestalten, mutig vorangehen – für die nächsten Generationen. 

Frau Berger, was sollte man beim 650-jährigen Jubiläum von Schmöckwitz auf keinen Fall verpassen?

Almuth Berger: Wir haben eine ganze Festwoche geplant, in der wir die Geschichte von Schmöckwitz feiern – aber auch die Gegenwart gemeinsam genießen. Los geht es mit einem großen Bootskorso auf der Dahme, über den Langen See bis hin zum Zeuthener See. Am schönsten ist das Spektakel wahrscheinlich von der Schmöckwitzer Brücke aus zu sehen. Es gibt auch interessante Vorträge: Einer beispielsweise beleuchtet die viel ältere Geschichte unseres Ortes – denn Schmöckwitz hat Spuren menschlicher Besiedlung, die über 6.500 Jahre zurückreichen. Und am 19. Juli feiern wir ein großes Fest, ähnlich wie unser jährliches Inselfest, mit Musik, Darbietungen und Beteiligung vieler Künstler.

Herr Muschinsky, was darf man beim 650. Geburtstag von Rangsdorf auf keinen Fall verpassen?

Jürgen Muschinsky: Rangsdorf hat sich entschieden, das ganze Jahr über zu feiern. Mein persönliches Highlight: Der Corso und die Zukunftsdiskussion. Es ist wichtig, gemeinsam darüber zu sprechen, wie Rangsdorf sich entwickeln soll.

650 Jahre – warum sollte man so ein Jubiläum überhaupt feiern?

AB: Weil es zeigt, wie lange dieser Ort schon besteht. Schmöckwitz war bereits vor der ersten schriftlichen Erwähnung ein bewohntes Fischerdorf. Diese Geschichte prägt uns – sie hilft, unsere Gegenwart zu verstehen und vielleicht auch daraus für die Zukunft zu lernen.

 

JM: Die Urkunde vor 650 Jahren ist ein symbolischer Anlass – viele Orte wurden damals erstmals erwähnt. Aber solche Jubiläen bringen Menschen zusammen. Sie verbinden Kultur, Bildung, Sport, Privatleben und Kommunalpolitik – nicht durch Einladungen, sondern offen für alle. Das ist das Entscheidende.

Was sagt uns Geschichte heute eigentlich noch? Was bringt es mir persönlich, wenn ich mich mit der Vergangenheit beschäftige? 

AB: Eine sehr berechtigte Frage. Ich finde, Geschichte hilft uns, Zusammenhänge besser zu verstehen – auch die Entwicklungen, die uns heute betreffen. Wenn wir zum Beispiel auf den Dreißigjährigen Krieg schauen, sehen wir, wie katastrophal Krieg für das Leben der Menschen war: Zerstörung, Brände, Elend. Aber wir sehen auch, wie sich in Friedenszeiten die Orte erholen und weiterentwickeln konnten. 
Für mich bedeutet das: Geschichte macht uns bewusst, was Menschen schon durchgemacht haben – und was ihnen geholfen hat, weiterzumachen. Sie sensibilisiert uns dafür, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist. In einer Zeit, in der wir wieder viele Kriege erleben, kann uns das vielleicht dazu bringen, genauer hinzusehen: Was können wir beitragen, um Konflikte zu vermeiden, Verantwortung zu übernehmen und unsere Gesellschaft solidarisch zu gestalten?

Wie würden Sie Schmöckwitz heute charakterisieren – eher traditionell oder modern?

AB: Beides. Es ist Teil der Großstadt Berlin, aber mit eigenem Charakter. Die Bevölkerung ist sehr gemischt – alteingesessene Familien, Zugezogene aus Ost und West, junge Familien. Im Verein erleben wir diese Vielfalt ganz direkt.

Frau Berger, sehen Sie sich eher als Schmöckwitzerin oder Berlinerin?

AB: Ich bin zwar nicht hier geboren, aber ich wohne schon lange hier und fühle mich als Schmöckwitzerin – und auch als Berlinerin. 

(c) BA Treptwo-Köpenick

Herr Muschinsky, Sie leben lange in Rangsdorf, beschreiben Ihr Leben hier als „tiefgehende Verbindung“ und als Heimat. Woher kommt der Zusammenhalt in Rangsdorf?

JM: Aus dem Sport. Nach dem Krieg haben vor allem die Handballer und Faustballer hier viel aufgebaut. Es gab Leichtathletik, Rudern – wir hatten eigentlich alles. Große Turniere, internationale Kontakte – das hat Menschen zusammengebracht. Wir haben hier oft einfach gemacht, was nötig war. Die Kaufhalle war ein Schwarzbau, genauso der Anbau der Sozialstation. Es wurde nicht lang gefragt, sondern gehandelt – weil es gebraucht wurde.

Und dieses „Einfach machen“ – hat sich das nach der Wende erhalten?

JM: Ja, unbedingt. Ein Beispiel: Unsere Grundschule war zu klein. Der Bürgermeister wollte Container aufstellen. Wir haben uns dagegen gewehrt und dafür gesorgt, dass in Groß Machnow – einem Ort mit rund 1.000 Einwohnern – eine richtige Schule gebaut wird. Darauf sind wir stolz. So etwas gelingt nur gemeinsam.

Das heißt, es braucht echten Zusammenhalt?

JM: Genau. Da müssen viele mitziehen: Privatwirtschaft, Investoren, Grundstückseigentümer, Gemeindevertreter. Das war ein Kraftakt – aber es hat geklappt.

Zusammenhalt, Frau Berger, gibt es auch im Ortsverein Schmöckwitz. Wie kam es zur Gründung?

AB: Wir wollten damals einfach ein Fest organisieren – daraus entstand der Verein. Seit 2005 veranstalten wir das Inselfest, haben uns für den Erhalt der Uferbahn starkgemacht und viele Anliegen weitergetragen. Es ist ein gutes Gefühl, gemeinsam etwas bewegen zu können.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Schmöckwitz?

AB: Mein größter Wunsch ist, dass wir endlich unser Nachbarschaftszentrum realisieren können. Seit über zehn Jahren kämpfen wir dafür – inzwischen sind wir eigentlich auf der Zielgeraden, aber es hakt immer noch. Es fehlt nicht an Engagement, sondern an klaren Strukturen und der Bereitschaft, gemeinsam Lösungen zu finden.
Der Bedarf ist riesig: Es gibt keinen öffentlichen Raum, in dem sich Menschen aus Schmöckwitz, Karolinenhof oder Rauchfangswerder treffen, austauschen oder etwas organisieren können. Das Nachbarschaftszentrum soll genau das sein – ein Ort für Begegnung, Beratung, Kultur. Wir haben viele Ideen und viel Energie. Jetzt brauchen wir Unterstützung, damit wir das Projekt endlich umsetzen können.

(c) Rangsdorf
(c) Rangsdorf

Herr Muschinsky, was wünschen Sie sich für die Zukunft von Rangsdorf?

JM: Dass wir dieses ewige Klein-Klein hinter uns lassen. Gemeindevertreter sollten nicht länger gegen den Bürgermeister arbeiten, sondern mit Verwaltung, Bürgerschaft und Investoren an einem Strang ziehen.
In den 1990ern haben wir vieles aus Nordrhein-Westfalen übernommen – das war damals hilfreich. Aber heute brauchen wir eigene Ideen. Ich bin im Seniorenbeirat aktiv, versuche Dinge anzustoßen – zum Beispiel ein Rangsdorf-NET, ein digitales Bürgernetz. Es liegt jetzt in Ausschüssen, aber alle tun sich schwer. Dabei wäre es machbar – andere Kommunen machen es längst vor.

Woran liegt dieses Zögern?

JM: Wir erziehen unsere Kinder zu vorsichtig. Wer nichts wagt, macht auch nichts falsch – aber eben auch nichts Neues. Zukunft beginnt im Kopf. Und sie braucht Menschen, die ins Tun kommen.

Kurzporträt Almuth Berger

Almuth Berger (*1943 in Berlin) ist Theologin, Bürgerrechtlerin und langjährige Integrationsbeauftragte. In der DDR engagierte sie sich für Menschenrechte und war Mitbegründerin der Bürgerbewegung „Demokratie jetzt“.

Später prägte sie als Beauftragte in Brandenburg und Berlin die Integrationspolitik. Ihr Wirken steht für Haltung, Teilhabe und gelebte Demokratie. Sie ist Vorsitzende des Ortsvereins Schmöckwitz e.V.

Kurzporträt Jürgen Muschinsky

Jürgen Muschinsky (*1950 in Groß Machnow) ist langjähriger Kommunalpolitiker und Vereinsakteur aus Rangsdorf. Nach einer bewegten Kindheit und Jugend engagierte er sich über Jahrzehnte für seine Gemeinde – als ehrenamtlicher Bürgermeister, Jugendschöffe, Kreistagsmitglied und Mitgründer zahlreicher Vereine. Sein Einsatz steht für praktischen Gemeinsinn und bürgerschaftliche Verantwortung.


Anmerkung: Wir haben beide Gespräche einzeln geführt und dann nebeneinander montiert.

 

© BA Treptow-Köpenick