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Marius Langas

Marius Langas
BER Radrunde

Marius Langas ist leidenschaftlicher Radfahrer (und auch Autofahrer) aus Zeuthen. Er ist aufgewachsen in Fürstenwalde und engagiert sich seit einigen Jahren für freizugängliche, sichere und landkreisübergreifende Radrouten für Pendler*innen und Freizeitradler*innen zum- und um den Flughafen herum.
Er ist Gründer von folgenden Projekten:
Bike2BER.de
Flughafen-erfahren.de
Lastenrad-zews.de

Wie erlebst Du die aktuelle Situation rund ums Radfahren in der Flughafenregion?

Radfahren rund um den BER ist auf der einen Seite abenteuerlich und teilweise echt gefährlich, auf der andere Seite aber auch sehr schön und erholsam. Ist man im Bereich Waltersdorf oder Schönefeld teilweise gezwungen, mit oder durch den dichten Autoverkehr zu fahren, ist man wenige Kilometer weiter, im Bereich der Südbahn oder auch in Waßmansdorf, gefühlt in einem Naturschutzgebiet unterwegs und umgeben von herrlicher Natur.
Was man leider in der BER-Region kaum findet, sind klassische Radwege. Es gibt oft straßenbegleitende Geh- und Radwege, aber zu oft sind diese einseitig und somit für beide Richtungen freigegeben. Sobald die Sonne etwas höher steht, wird es mit Spaziergängern, Radfahrern, Skatern, Joggern oder Schaulustigen schnell sehr voll. Bestes Beispiel dafür sind die Wege rund um das 45 ÜBER NULL-Café im Schönefelder Ortsteil Selchow.

 

Was ist besonders gut?

Besonders gut sind sicherlich die autofreien Bereiche rund um den BER. Mir persönlich gefällt die Strecke von Terminal 5 (ehemals SXF Airport) Richtung BER, entlang der Jürgen-Schumann-Allee, richtig gut. Es ist ein grüner, autofreier Abschnitt zwischen Flughafen und Autobahn und man kreuzt den Anflug der Nordpiste. Autos können dort nicht halten und so haben Fußgänger und Radfahrer diese besonderen tiefen Überflüge für sich. Handy oder Fotokamera nicht vergessen!

Was ist besonders schlecht für Radfahrende?

Die Verkehrsplanung aus den Niederlanden folgt einem Leitsatz: Bevor du zehn Radwege zu einem Ziel baust, baue erst einmal einen zusammenhängenden drum herum. Sobald eine „geschlossene Runde“ als Kerninfrastruktur fertiggestellt ist, kann man das Netzwerk von dieser Runde aus weiter ausbauen.
Ich spreche hier sicher vielen Pendlern und Freizeitradlern aus der Seele: Es gibt einfach keine durchgängige Runde am BER. Es gibt heute schon viele straßenbegleitende Abschnitte, viele kombinierte Geh-und Radwege, viele Schleichwege und Single-Trail-Abkürzungen, aber ein echter Rundweg, der sicher ist und auch für Familien mit Kindern geeignet ist, wurde nie fertiggestellt. Für mich und viele andere ist das das größte Manko.

 

 

Rad Sonnenuntergang

Was muss besser werden?

Wie gesagt, ein Durchbruch wäre eine Art Airport-Runde! Dazu braucht es auch eine gute Leitung und Beschilderung für die Nutzer. Zusammen mit dem Flughafen und dem Amt für Wirtschaft und Tourismus in KW, haben wir mit dem Bike2BER-Projekt erste Akzente gesetzt und einige Radrouten von Königs Wusterhausen bis zum BER mit BIKE2BER-Wegweisern ausgeschildert. Zudem gibt es mit dem Forschungsprojekt NUDAFA in Eichwalde, dem neuen Studiengang „Radverkehr“ an der TH Wildau und kleinen Projekten wie freie Lastenräder in Zeuthen mehr und mehr Radprofis in der Region. Was heute noch fehlt, ist eine Vernetzung der Projekte und einen offenen Austausch dieser Gruppen. Da sehe ich große Chancen auch für das Dialogforum.

 

Was erhoffst Du Dir von der Politik?

Das Thema Radverkehr oder grundsätzlich alternative Fortbewegung, d.h. sich ohne Auto hier im Umfeld zu bewegen, wird meiner Meinung vorerst nicht wichtiger werden als es heute ist. Und das liegt auch an den Entscheidern selbst. Fragt man eine Bürgermeisterin oder einen Bürgermeister, ob er oder sie mal eine Runde mitradeln will, dann scheitert das meistens nicht an der Zeit, sondern daran, dass sie einfach kein funktionstüchtiges Fahrrad besitzen oder schlichtweg kein Fahrrad fahren. Mich haben auch schon Anfragen aus dem Verkehrsministerium erreicht, ob ich Leihräder für die Mitarbeitenden organisieren kann, weil einige keine fahrbereiten Fahrräder besitzen oder seit Jahren kein Rad mehr gefahren sind. Das kann man jetzt als lustigen Funfact abschreiben, aber dieses Bild spiegelt eigentlich sehr treffend die aktuelle Situation wider.
 

Das heißt, ein Teil des Problems besteht darin, dass die Entscheider nicht regelmäßig oder überhaupt gar kein Rad fahren?

Richtig. Damit verstehen sie auch kaum, wo genau die Probleme entstehen und was funktionierende Radverkehr-Infrastruktur für eine Region wie unsere bedeutet. Unsere Politiker stehen in Waltersdorf eher im Stau auf der Straße als mit dem Rad auf der viel zu kleinen und sehr gefährlichen Geh- und Radweg Notlösung. Dadurch ist viel wahrscheinlicher, dass in Waltersdorf ein Kreisel für die Autos am IKEA gebaut wird, als eine Brücke für Radfahrer – obwohl die Brücke fast zu 100 Prozent vom „Stadt und Land-Programm“ des Bundes gefördert wird.
Man muss als Bürger den Entscheidern erst einmal erklären, was z.B. die Vorteile einer ansprechenden Rad- und Fußgängerinfrastruktur rund um den Flughafen sind. Da geht es nämlich schnell um Begriffe wie Akzeptanz, Gesundheit, Verkehrsentlastung und Wohlbefinden. Alles Dinge, die bei rasanten Entwicklungen von Gemeinden auf der Strecke bleiben.

 

Wie bewertest Du die Situation abschließend?

Nach knapp drei Jahren Radprojekte in der Flughafenregion steckt die Entwicklung und Infrastruktur in den Kinderschuhen. Ich empfinde sie als sehr ausbaufähig. Wir haben hier in der BER-Region noch nicht gelernt, was gute Bedingungen auf den Geh- und Radwegen bedeuten, obwohl es um uns herum so viele Beispiele und Blueprints gibt. Da muss nichts Neues erfunden werden. Zudem gibt es Förderprogramme und politischen Willen auf Bundesebene. Es könnte also mit einfachen Schritten sehr viel erreicht werden, man muss es halt nur wollen.

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