Metropolraumkonferenz 2026


Die Menschen leben längst in einer gemeinsamen Region
Die diesjährige Metropolraumkonferenz der Industrie- und Handelskammern Berlin-Brandenburg fand an einem Ort statt, der wie kaum ein anderer für die Verflechtung beider Länder steht: in Schönefeld, mitten in der Flughafenregion.
Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik diskutierten darüber, wie die Hauptstadtregion ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern und ihre Entwicklung künftig stärker gemeinsam gestalten kann. Im Mittelpunkt standen die Sicherung von Fachkräften, die Entwicklung von Gewerbeflächen, die Modernisierung von Infrastruktur sowie die Frage, wie Berlin und Brandenburg ihre Kräfte noch besser bündeln können.
Für Helmut Barthel, Vorsitzender des Dialogforums Airport Berlin Brandenburg, bestätigte die Konferenz vor allem eine Entwicklung, die die Kommunen der Flughafenregion seit Jahren beobachten. „Die Menschen leben längst in einer Metropolregion. Sie wohnen in einer Kommune, arbeiten in einer anderen, nutzen Infrastruktur in einer dritten und verbringen ihre Freizeit oft wieder woanders. Unternehmen, Beschäftigte und Investoren orientieren sich ebenfalls nicht an Landesgrenzen. Die Politik hat das inzwischen erkannt. Das ist eine gute Nachricht für die Hauptstadtregion.“
Forderung nach mehr Zusammenarbeit
Tatsächlich zog sich die Forderung nach mehr Zusammenarbeit wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltung. In Fachforen, so genannten Community Spaces, diskutierten die Teilnehmenden über die Potenziale eines gemeinsamen Arbeitsmarktes, über eine abgestimmte Entwicklung von Gewerbe- und Industrieflächen sowie über die Chancen großer Zukunftsprojekte wie einer Weltausstellung oder Olympischer Spiele. Die Botschaft war eindeutig: Die Hauptstadtregion funktioniert längst als gemeinsamer Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsraum. Nun müssen Politik und Verwaltung die Voraussetzungen schaffen, damit diese Realität auch in Planung, Infrastruktur und Entwicklungspolitik stärker berücksichtigt wird.
Auch die Vertreter der Landesregierungen bekannten sich klar zu einer engeren Zusammenarbeit. Martina Klement, Ministerin für Wirtschaft, Energie, Klimaschutz und Europa des Landes Brandenburg, und Stefan Evers, Bürgermeister und Senator für Finanzen des Landes Berlin betonten, dass die wirtschaftliche Realität längst weiter sei als viele politische und administrative Strukturen. Die Flughafenregion wurde dabei mehrfach als Beispiel für die tatsächliche Verflechtung von Berlin und Brandenburg genannt.
Allerdings zeigte die Diskussion über eine mögliche Bewerbung der Hauptstadtregion für die EXPO 2035, dass der politische Wille zwar vorhanden ist, entscheidende Fragen aber weiterhin offen und die Verantwortlichen uneins.
Während Berlins Finanzsenator Stefan Evers ein klares Bekenntnis zur gemeinsamen Bewerbung von Berlin und Brandenburg abgab, machte Brandenburgs Wirtschaftsministerin Martina Klement deutlich, dass zunächst Fragen der Finanzierung und der politischen Verbindlichkeit geklärt werden müssten. Sie verwies zudem darauf, dass ein eindeutiges Bekenntnis Berlins erst nach den Berliner Abgeordnetenhauswahlen 2026 und der anschließenden Regierungsbildung erwartet werden könne.
Damit seien unterschiedliche Erwartungen an das weitere Vorgehen sichtbar geworden. Barthel sagt: „Gerade solche Unterschiede zeigen, warum kontinuierlicher Dialog notwendig ist. Ein gemeinsames Ziel reicht nicht aus – wir brauchen auch einen gemeinsamen Fahrplan.“

Das Gemeinsame über das Trennende stellen
Einen besonderen Akzent setzte der Wiener Planungsdirektor Thomas Madreiter. Aus der Perspektive einer der dynamischsten Metropolregionen Europas warb er dafür, regionale Entwicklung selbstbewusst zu gestalten und die eigenen Stärken konsequent herauszuarbeiten. Erfolgreiche Regionen, so seine zentrale Botschaft, orientierten sich nicht an anderen, sie entwickeln ein eigenes Profil. Wer dauerhaft erfolgreich sein wolle, müsse das Gemeinsame über das Trennende stellen und bereit sein, langfristig zu denken. Wachstum sei nicht das Problem, sondern die Frage, wie es gestaltet werde – mit leistungsfähiger Infrastruktur, hoher Lebensqualität und resilienten Strukturen. Besonders bemerkenswert war sein Hinweis, dass die große Mehrheit der Wiener Bevölkerung das Wachstum ihrer Stadt positiv bewertet, weil sie erlebt, dass Infrastruktur, Wohnungsbau und öffentliche Angebote mitwachsen.
Gerade dieser Gedanke fand auf der Metropolraumkonferenz viel Zustimmung. Akzeptanz für Wachstum entsteht dort, wo die Menschen erleben, dass sich ihre Lebensqualität verbessert. Wo Mobilität funktioniert, Schulen und Kitas erreichbar sind, neue Arbeitsplätze entstehen und Infrastruktur mit der Entwicklung Schritt hält.

Zusammenarbeit bringt konkrete Ergebnisse
Für das Dialogforum Airport Berlin Brandenburg sind diese Fragen (und die Antworten darauf) gelebter Alltag. Denn seine Mitglieder, die Kommunen der Flughafenregion, beschäftigen sich seit fast zwei Jahrzehnten mit den Folgen des Wachstums und mit der Frage, wie sie die Entwicklung der Region gemeinsam gestalten können. Ob Mobilität, Infrastruktur, Klima- und Lärmschutz oder regionale Entwicklung – viele Themen, die inzwischen auf der Agenda der gesamten Metropolregion stehen, werden im Dialogforum bereits seit Jahren gemeinsam bearbeitet.
„Die Flughafenregion hat gezeigt, dass Zusammenarbeit keine abstrakte Forderung ist, sondern konkrete Ergebnisse hervorbringen kann“, sagte Barthel. „Viele der Themen, die heute auf der Konferenz diskutiert wurden, beschäftigen die Kommunen hier seit Langem. Umso wichtiger ist es, dass aus dem gemeinsamen Problembewusstsein jetzt gemeinsames Handeln wird.“
Gleichzeitig sieht der Vorsitzende des Dialogforums die Ergebnisse der Konferenz mit einer gewissen Nüchternheit. Viele der diskutierten Themen seien richtig – aber nicht neu. „Die richtigen Themen liegen auf dem Tisch, das war auf der Konferenz deutlich zu spüren. Über schnellere Verfahren, bessere Infrastruktur, mehr Kooperation und eine stärkere Metropolregion sprechen wir seit Jahren.“
Ähnlich bewertet Barthel die Diskussion zur Fachkräftesicherung. Die Empfehlungen der Fachkräftestudie, die 2025 im Dialogforum vorgestellt wurde, lägen seit geraumer Zeit auf dem Tisch. Viele der auf der Konferenz genannten Lösungsansätze – von der stärkeren Fachkräftegewinnung über bessere Willkommensstrukturen bis hin zu Qualifizierung und Weiterbildung – bestätigten diese Ergebnisse. Barthel sagt: „Die Analyse ist bekannt. Die Fachkräftestudie liegt vor. Welche Empfehlungen wurden inzwischen umgesetzt? Wo gibt es Fortschritte? Welche gemeinsamen Projekte werden verfolgt? Auch darauf gab es keine Antworten.“
Gerade die Kommunen spürten die Folgen fehlender Abstimmung unmittelbar. Verzögerte Infrastrukturprojekte, langwierige Genehmigungsverfahren oder konkurrierende Flächeninteressen sind konkrete Probleme vor Ort, deshalb komme es nun darauf an, den zahlreichen Bekenntnissen zur Zusammenarbeit auch konkrete Schritte folgen zu lassen.
„Gut gemeint war in den vergangenen Jahren vieles“, so Barthel, „jetzt müssen Entscheidungen schneller getroffen und Projekte schneller umgesetzt werden. Die Menschen werden am Ende nicht bewerten, was angekündigt wurde. Sie werden bewerten, was tatsächlich erreicht wurde.“